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Einst stand dort, wo sich das Schloß Friedrichshof nunmehr erhebt,
eine einfache Villa des früheren Besitzers Reiß, von
schönsten Edeltannen umgeben. Die Tannen blieben, aber die Villa
mußte einem großartigen Schloßbau weichen. Die Lage desselben
ist so einzig schön und die Aussicht von dort so umfassend, wie man
es im weiten Deutschen Reiche nur selten wiederfindet. Nach dem Tode
Kaiser Friedrichs drehte es sich darum, für seine trauernde Hohe
Gemahlin einen geeigneten Witwensitz zu Schaffen. Manche Gegend und
manches Schloß wurde geprüft, unter anderem auch Tenneberg, im
Besitz des Herzogs Ernst von Coburg-Gotha, aber schließlich
entschied man sich auf Anraten des Gartendirektors Walter für
Cronberg am Taunus. Klima und Vegetation waren wohl in erster Linie
dafür maßgebend gewesen. Das Vorkommen ganzer Waldungen von
echten Kastanien in der Nähe von Cronberg, das prächtige
Gedeihen der seltensten Koniferen, welche auch den Winter dort gut
ertrugen, u. a. m. ließen auf sehr günstige klimatische
Verhältnisse für die neu zu schaffenden Parkanlagen
schließen.
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Schloss Friedrichshof bei Cronberg a. Taunus, Nordseite. Erbaut von der Kaiserin Friedrich.
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Auch der Gesichtspunkt machte sich geltend, daß ein so großer
Hofhalt, wie der der Kaiserin, für seine zahlreichen Erfordernisse
und Anschaffungen darauf angewiesen war, eine größere Stadt in
der Nähe zu haben, also hier Frankfurt a. M. Die Möglichkeit,
von hier mit der Bahn überallhin schnell gelangen zu können,
ferner die Nähe von Homburg, der Taunuswald mit seinen vielen
schöngelegenen Ortschaften waren weitere Gründe für die Wahl
des Bauplatzes.
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Nachdem die Entscheidung zu Gunsten Cronbergs gefallen war,
handelte es sich nun zunächst darum, nach dem Ankauf der Villa
Reiß und des dazugehörigen Parkes, diesen Besitz nach allen Seiten
hin abzurunden und auszudehnen, damit die hohe Fürstin in
ungestörter und unbehinderter Weise ihres Besitztums sich erfreuen
konnte. Eine Anzahl bäuerlicher Anwesen wurde hinzuerworben und
von der Stadtgemeinde Cronberg würden ebenfalls größere
Landstücke gekauft, so daß etwa 300 Morgen für die Neuanlage
des Parkes und den Neubau des Schlosses zur Verfügung standen. Und
nun erhob sich in den Jahren 1889-1893 jene viel bewunderte
Schöpfung der Kaiserin Friedrich. Was in langen, langen Jahren
durch Studien besonders auch auf Reisen und durch viele eigene Ideen
zu festen Bauplänen herangereift war, kam nun endlich hier zur
Ausführung.
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Es gibt viele Schlösser, welche mit unvergleichlich größerer
Pracht ausgestattet sind, aber wohl kaum ein einziges, welches bei
aller fürstlicher Vornehmheit wohnlicher, behaglicher und zugleich
praktischer eingerichtet wäre, wie Friedrichshof. Wenn auch bei der
Ausführung der Pläne der Architekt Ihne der Kaiserin Friedrich zur
Seite stand, so war es doch das Gepräge ihres die Kunst auf allen
Gebieten beherrschenden Geistes, welches sie dem Ganzen und allen
Einzelheiten zu verleihen wußte.
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Stilform.
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Die für den eigentlichen Schloßbau im Äußeren gewählte
Stilform war die der englischen Schlösser und Herrensitze aus spätgotischer
Zeit. Die ausgedehnte Hauptfront gen Süden, mit breiter, vorliegender
Terrasse, mit ihren in zwei Stockwerken angeordneten hohen, gotischen
Fenstern, mit ihren Treppengiebeln und den dazu gehörigen Geschossen,
ist nach dem Orte Cronberg bezw. der großen Mainebene zu gelegen.
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Schloß Friedrichshof bei Cronberg a. Taunus, Südseite.
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Einzelheiten des Schloßbaues.
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Die Einzelheiten des Baues zeigen auch manche Motive aus deutscher
Frührenaissance. Weit wirkungsvoller ist die Front nach Norden
gestaltet. Der höchst monumentale Haupteingang des Schlosses mit
seinem prächtigen Vorbau, der hohe Schloßturm, sowie
verschiedene Treppentürme, der in einem Winkel zum Hauptbau
gerichtete sog. Küchenflügel, die mannigfache Gliederung der
Fassade in sich, gewähren dem Ganzen einen höchst malerischen
Anblick.
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Material.
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Das für den Bau gewählte Material ist bläulicher
Taunusschiefer, während das Rahmenwerk der Fenster, die Gesimse,
Einfassungen der Ecken und alle Ornamente aus lichtem Sandstein
bestehen.
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Der Küchenflügel, d. h. die Wirtschaftsräume, sind in
hessischem Fachwerkstil durchgebildet.
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Ausführung.
Anordnung der Räume.
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In allen Teilen herrscht die denkbar gediegenste Ausführung;
überall ließ man das Material durch sich selbst und seine Farbe
wirken, nirgends sieht man eine falsch überputzte oder bemalte
Fläche. So sind auch alle technischen Einzelheiten, wie
Beschläge, Türen u. a. m. in der schönen Farbe ihres
Materials belassen Die Anordnung der Räume im Innern ist etwa
folgende: Im Erdgeschoß befinden sich die Empfangs- und
Festräume. Beim Eintritt, von der Vorhalle des Schlosses aus, kommt
man zunächst in die hohe und weite Halle. Von hier aus gelangt man
in sämtliche, die ganze Südfront in einer Flucht einnehmenden
Haupträume.
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Die Südwestecke bildet die Bibliothek mit einem sich nach Norden
anschließenden Audienzzimmer, welches auch als Billardzimmer
benutzt wurde. Auf die Bibliothek folgt der Reihe nach das sog. Louis
XVI.-Zimmer, dann der große Salon, der Saal der Sammlungen, der
Speisesaal, welcher die Südostecke bildet. Waren alle Türen
geöffnet, so hatte man einen herrlichen Durchblick durch alle diese
Räume. Ein kleineres Speisezimmer, meist als Frühstücksraum
benutzt, liegt dem Sammlungssaal gegenüber nach Norden. Der
ausgesprochene Stil dieser Festräume war der der italienischen
Renaissance, mit Ausnahme des großen Salons, welcher Louis XIV.-
Charakter hat, und des sich anschließenden kleinen Louis
XVI.-Zimmers neben der Bibliothek.
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Der Salon im Schlosse Friedrichshof. Aufnahme von Hofphotograph Hermann Rückwardt, Groß-Lichterfelde.
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Das Frühstückszimmer im Schlosse Friedrichshof.
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Im ersten Stockwerk befanden sich das große Schlafgemach und die
intimeren Wohn- und Arbeitsräume der Hochseligen Kaiserin
Friedrich. Auch die vornehmsten Fremdenzimmer für Hohe
Fürstliche Persönlichkeiten und die Hohen Anverwandten waren
hier gelegen.
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Das zweite Geschoß enthielt weitere Fremdenzimmer, besonders aber
waren hier die Wohnungen für den Hofstaat Ihrer Majestät, sowie
für das Gefolge der Fürstlichen Gäste. Auch das Rauch-
und Herrenzmmer waren hier oben eingerichtet worden.
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Das Dachgeschoß war für die Dienerschaft bestimmt.
Der Hauptbau des Schlosses war durch Gänge und Treppen mit den
zahlreichen Wirtschaftsräumen, den Küchen und Vorratsmagazinen
verbunden, welche in allen Teilen wahrhaft mustergültige
Einrichtungen zeigten. Auch die Reparaturwerkstätten waren hier
untergebracht.
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Innere Ausstattung.
Kunstsammlungen.
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Und nun gar die herrliche innere Ausstattung des Schlosses! Jeder
Besucher war auf das Äußerste überrascht und erfreut über
die Fülle von Kunstgegenständen und farbenprächtigen Bildern,
welche sich dem Auge boten. Obgleich fast das ganze Haus mit echten
alten Stücken ausgestattet war, hatte man doch überall den
Eindruck moderner Behaglichkeit und größten Komforts. Herrliche
Blumen in prächtigen Gefäßen brachten atmendes Leben und
Wohlgeruch in alle Räume. Und wie war alles in den Farben
abgestimmt, wie war alles liebevoll geordnet und gruppiert und wie war
für jeden Gegenstand
der richtige Platz gefunden! "Da könnte mancher Museumsdirektor
etwas lernen", äußerte einmal ein hervorragender Leiter eines großen
ausländischen Museums. Während oft in den Museen die Gegenstände
kalt, unvermittelt und gehäuft neben einander stehen, war hier alles
liebevoll verbunden und belebt durch die ordnende Hand einer
feinsinnigen Fürstlichen Frau. Und welche Fülle von Kunstschätzen fesselte
das Auge des Besuchers im Saal der Sammlungen! Die große,
nach einem Entwurf der Kaiserin angefertigte Vitrine, welche fast
eine ganze Wand einnahm, sowie die freistehenden Schaukästen bargen
Herrlichkeiten mannigfachster Art, Prunkgefäße aus Halbedelstein, die
erlesensten Emaillen von Limoges, alte Venezianer Gläser, Majoliken,
Fayencen, Elfenbeinarbeiten, Bronzen u. a. m. Die Schaukästen
enthielten die Kleinodien älterer Zeit, die Sammlungen der Uhren
und Dosen An den Wänden, mit rotem und gelbem Damastgewebe
bekleidet, hingen herrliche Gemälde von Rubens, Paris Bordone und
anderen bedeutenden Meistern, auf Postamenten standen schöne
Marmorbüsten des Cinquecento und des folgenden Jahrhunderts.
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Der Saal der Sammlungen im Schlosse Friedrichshof.
Aufnahme von Hofphotograph T.H. Voigt, Homburg v.d.Höhe.
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Speisesaal.
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Und daneben der große Speisesaal mit seiner schönen Holzdecke,
den hohen Fenstern, in denen wahre Perlen schweizerischer
Glasmalereien eingelassen waren, dem niederländischen Marmorkamine,
oben mit der Bronze-Büste Kaiser Friedrichs, dem Schaubüfett,
voll besetzt mit köstlichen Schalen, Kannen und Gefäßen aus
Edelmetall.
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Der Speisesaal im Schlosse Friedrichshof.
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Die Bibliothek im Schlosse Friedrichshof.
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Bibliothek.
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Auch die Bibliothek war mit ihrem venetianischen Kamin, dem reichen
Bronzekronleuchter, dem prächtigen langen Renaissancetisch, bedeckt
mit den Cimelien der Bücherschätze und umgeben von zum Sitzen
einladenden Stühlen, zu einem anmutenden Raum ausgestaltet
worden. Auf den in edelster Holzarbeit hergestellten
Bücherrepositorien standen obenauf große antike
Bronzegefäße, riesige Majolikavasen und Bronzebüsten
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Halle.
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Die vorher erwähnte Halle, in welche der Besucher zuerst trat, war
mit Renaissance-Möbeln aller Art ausgestattet. An der Hauptwand
hing ein farbenprächtiger Gobelin nach einem Karton Raphaels,
darunter standen italienische Truhen und Bronzebüsten auf
Ständern; an der Schmalwand der Marmorkamin, unvergleichlich
Schön gearbeitet; in dem gotischen Riesenfenster wiederum gemalte
Wappenscheiben. Freistehend in der Halle hier und dort eine Reihe von
Tischen verschiedener Form und mit alten Stoffen bekleidete Ruhesitze
und Stühle. Überall in Kübeln und Vasen die schönsten
Blattpflanzen und Blumen.
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Die Halle im Schlosse Friedrichshof.
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Die Halle im Schlosse Friedrichshof.
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Am Westende der Halle lag die holzgeschnitzte Prunktreppe, welche die
Hauptverbindung zwischen den privatgemächern der Kaiserin und den
Empfangsräumen im Erdgeschoß herstellte.
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Umschau vom Turm des Schlosses.
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Bestieg man den hohen Turm des Schlosses, so bot sich aus den Fenstern
des Turmzimmers ein entzückendes Bild. Nach Süden war das
herrlichste Panorama der weiten Main- und Rheinebene zu schauen, im
Hintergrund abgeschlossen durch den, Odenwald und Spessart, im
Vordergrunde zerstreut die Häuser und Villen von Cronberg, über
denen sich die alte Burg mit dem hohen Bergfried auf felsigem Hügel
erhebt. Nach Westen sah man über die weiten grünen
Wiesenflächen und den schattigen Kastanienhain des Schloßparks
hinweg nach der schloßartigen Villa und dem Park des Herrn von
Guaita. Rechts, auf einer Anhöhe gelegen, Burg und Ort Falkenstein,
weiterhin Königstein. Nach Norden sah man, über die ausgedehnten
Marstallgebäude und die Cottage des Hofmarschalls hinweg,
ansteigende grüne Wiesenflächen, welche oben durch die dunklen
Waldungen des Taunus bekrönt wurden. Nach Osten
erblickte man über die reich geschieferten Dachflächen des
sogenannten Küchenflügels hinaus, wiederum Waldwiesen und Wald
in allen Schattierungen des Grün.
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Parkanlagen.
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Wie die Kaiserin Friedrich ihr eigener Architekt war, so war sie auch
ihr oberster Gartendirektor. Der verstorbene Hofgartendirektor Hermann
Walter war eine Kraft ersten Ranges, besonders auf dem Gebiet der
Landschafts gärtnerei, aber jeden Plan, jede Neuanlage formte die
Hohe Schloßherrin erst noch nach ihren eigenen Gedanken und
Wünschen um. Und welche Spezialkenntnis befaß die Kaiserin auf
dem Gebiete der Gartenbaukunst! Jede Pflanze, jede Blume kannte sie
mit dem lateinischen Namen. Und wie viele hübsche Ideen für
gärtnerische Ausschmückung, teils eigener Erfindung, teils auf
Reisen oder sonst wo Gesehenes wiedergebend, kamen hier zur
Ausführung!
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Ein besonderes Interesse wurde der Parkanlage auch durch die sinnige
Idee verliehen, daß jede Hohe Fürstlichkeit, welche zum Besuch
nach Friedrichshof kam, mit eigener Hand einen Baum pflanzte, meistens
edle Koniferen. Neben jedem dieser Bäume wurde ein kleines Schild
angebracht, welches den Namen der Fürstlichkeit und das Datum der
Pflanzung trug. Und die Kaiserin Friedrich wachte sorgsam darüber,
daß alle diese Bäume besonders gehegt und gepflegt wurden.
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Rosengarten.
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Geradezu paradiesisch schön und weithin berühmt war der große
Rosengarten zur Blütezeit. Terrassenförmig steigt er hinan, oben
abgeschlossen durch eine von Rosen verdeckte Mauer, in deren Mitte
sich eine monumentale Nische mit einer Satyrgruppe befindet. Auf jeder
Terrassenfläche stehen zahllose Rosenstöcke der edelsten Arten.
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Auf den Seiten steigen Rosenlaubgänge empor. Reiche Blumenrabatten
fassen alle Rosenbeete ein. Plätschernde Marmorfontänen
vervollständigen den zauberhaften Eindruck.
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Blumenanlagen.
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Auch die Blumenanlagen um das Schloß herum waren geradezu
überwältigend schön und von solcher Üppigkeit und
Farbenpracht, wie man es zum Beispiel auf der Insel Korfu
findet. Man wurde bei dem Anblick der in voller Blüte stehenden
pontischen Azaleen und des Rhododendron fast an eine Feerie
erinnert. Besonders bestrickend war, daß die gesamte Einzäunung
des Schloßparks vollständig unter einer dichten Hecke von roten
und weißen Schlingrosen verschwand. Es gehörte nicht allzuviel
Phantasie dazu, sich vor das Zauberschloß Dornröschens versetzt
zu sehen, denn wohl Millionen von Rosen umwoben das Ganze.
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Nächste Umgebung des Schlosses.
Marstall.
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Beim Austritt aus dem Hauptportal des Schlosses gegen
Norden hat man einen weiten Platz vor sich. Inmitten desselben
steht die schöne Nachbildung eines reich gegliederten
Renaissance-Springbrunnens aus Trient. Dieser Platz diente zur
bequemen Auffahrt der Wagen und zum Besteigen der Reitpferde. An
denselben schließt sich ein dichtes Wäldchen von Hainbuchen an,
in welchem die Kaiserin während der heißen Jahreszeit mit
Vorliebe im Kreise der Hohen Verwandten weilte, weil dort kühlere
Plätzchen zum Arbeiten und Ausruhen einluden. Hatte man dieses
Wäldchen durchschritten, so sah man zur Rechten die hübsche und
gediegene Cottage des Hofmarschalls liegen. Geradeaus gelangt man zu
den im Fachwerkstil erbauten, ausgedehnten, um einen weiten,
viereckigen Hof herum angelegten Marstallgebäuden. Alles ist hier
von unübertrefflicher Gediegenheit und in allen Einzelheiten den
besten Mustern nachgebildet. Sogar ein Bad für die Pferde ist
vorhanden. Dieselbe vollendete Ordnung, wie in den Ställen,
herrschte in den Wagenremisen, sowie in den Geschirr- und
Sattelkammern.
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Gärtnereien, Treibhäuser, Meierei.
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Ganz nahe heim Marstall ist der Park nördlich durch eine hohe
Umfassungsmauer mit Portal abgeschlossen. Aus letzterem führt
unmittelbar in den Wald hinein ein von der Kaiserin mit großen
Kosten angelegter Fahrweg nach Homburg. Außerhalb des eigentlichen
Schloßparkes, an dem Fahrwege nach der Ortschaft Schönberg,
welch letztere nur durch den neuangelegten Kaiser Friedrich-Park von
der Stadt Cronberg getrennt ist, liegen die Gärtnereien, die
Gärtnerwohnungen und die Treibhäuser für Blumen und
Früchte; noch weiterhin die Meierei. Auch hier überall dieselbe
Vollkommenheit bis in die letzten Einzelheiten. Ganz besondere Freude
hatte die Kaiserin an ihren Blumen und Früchten. Der herrlichste
Blumenflor, darunter die seltensten Orchideen, entzückten den
Besucher der Glashäuser fast zu jeder Jahreszeit. In anderen
Gewächshäusern wiederum wurden die Früchte für die
Hoftafel gezogen, besonders Weintrauben, Pfirsiche und Erdbeeren. Wie
in einer großen Weinlaube hingen von der gewölbten Glasdecke und
den Seiten dichte Bündel gewaltig großer Trauben herunter.
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Die Gebäude der Meierei enthielten neben den Ställen für die
Kühe und den Milchkammern auch noch die Waschanstalt mit
mustergiltigen Einrichtungen für den riesigen Verbrauch von
Wäsche jeder Art für den Kaiserlichen Hofhalt.
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Aber nicht nur in Cronberg, sondern im ganzen Taunuskreise wirkte die
Kaiserin anregend und fördernd bei jeder sich bietenden
Gelegenheit. Hierbei wurde die Hohe Frau jederzeit auf das
tatkräftigste und verständnisvollste durch den Landrat von
Meister (jetzigen Regierungspräsidenten von Wiesbaden)
unterstützt.
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