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Das gewinnende Wesen der Kronprinzessin, vereint mit natürlicher
Anmut, nahm bald selbst diejenigen Kreise für sie ein, welche, in
Vorurteilen befangen, von vornherein in der Engländerin ein dem
altpreußischen Wesen fremdes Element zu sehen glaubten.
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Kaiserin Friedrich als Prinzessin Friedrich Wilhelm von Preußen. Gemalt von Winterhalter.
Im Besitz von S.K.H. des Prinzen Heinrich von Preußen.
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Neben den Pflichten der Repräsentation und der jungen Hausfrau
versäumte die Prinzessin Victoria nicht, sich sofort wieder ihren
Lieblingsstudien zuzuwenden.
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Karl Schellbach erzählt uns, daß, als der Prinz Friedrich
Wilhelm ihm seine junge Gemahlin vorstellte, ihre ersten Worte waren:
"Ich liebe Mathematik, Physik und Chemie". Und es ist Tatsache, daß
Sie in diesen Wissenschaften von weltberühmten Lehrern wie Faraday
und Hoffmann unterrichtet wurde. Weiter schreibt Schellbach: "Ihre
Königliche Hoheit suchte anfangs ihre bereits begonnenen
physikalischen und mathematischen Studien unter meiner Leitung
fortzusetzen, aber bald absorbierte ihre künstlerische Tätigkeit
den Rest von Zeit, welchen die Ansprüche des Hofes für diese
Tätigkeit noch übrig ließen".
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Die Königin von England und der Prinzgemahl besuchten ihre Tochter
August 1858.
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Im August 1858 kam die Königin mit dem Prinzgemahl nach Deutschland
zu einem Besuch bei ihrer Tochter, der Prinzessin Victoria. Prinz
Friedrich Wilhelm kam ihnen bis Magdeburg entgegen. "In der
Wildparkstation", so schrieb die Königin in ihr Tagebuch, "stand
unser herziges Kind, mit einem Strauße in der Hand. Lange dauerte
die Umarmung, als sie mich umschloß. Wir hatten soviel zu sagen, zu
erzählen und zu fragen. Und so unverändert und gut aussehend, -
noch ganz die alte Vicky! Es war ein glücklicher Augenblick, für
welchen ich Gott danke! Dann ging es weiter nach Babelsberg, der
Residenz des Prinzen, welche für diese Gelegenheit hübsch
beleuchtet war. Die nächsten Tage verbrachten wir ruhig im
Schloß. Alles dort ist sehr klein, ein gothisches Bijou, voller
Möbel und Blumen, welche sie hübsch um Schirme, Lampen und
Bilder arrangiert haben. Man sieht etliche unregelmäßige
Türmchen und Treppen. Mein Wohnzimmer hat prächtige Aussicht auf
den See, die Brücke von Glienike und geht auf eine der reizenden
Terrassen heraus. Vicky kam und saß bei mir. Ich fühlte, als
wenn sie wieder mein Eigen wäre". Der Besuch dauerte 14 Tage und
wurde ausgefüllt mit Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten,
Spazierfahrten, einem Dampfbootausflug auf den Havelseen, einem Fest
auf der Pfaueninsel und anderen Zerstreuungen. Die Abreise am
28. August war sehr schmerzlich.
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"Alles wäre noch zu ertragen", schrieb die Königin, "nur der
Gedanke nicht, daß ich in der ernsten Stunde, wo jede andere Mutter
zu ihrem Kinde geht, nicht bei ihr sein kann".
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Schloss Babelsberg bei Potsdam
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Geburt und Taufe des erstgeborenen Prinzen Wilhelm 1859
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Am 27. Januar 1859 wurden die Königliche Familie, die
Hauptstadt und dann ganz Preußen beglückt durch die Kunde von der
Geburt eines Prinzen. Die Geburt war indessen keine leichte
gewesen und das Kind schwebte eine Zeitlang in ernster Gefahr. Der
Prinz-Regent hatte nach dem freudigen Ereignis eine Art
Gratulationcour entgegengenommen. Alle kamen glückwünschend herbei. Als
nun der junge, freudestrahlende Vater erschien, da wollte der Jubel
kein Ende nehmen. Aber auch die Freude der Bevölkerung war
allgemein und äußerte sich auf jede nur erdenkliche Weise.
Festbankette. Fackelzüge wurden veranstaltet, Deputationen meldeten
sich aus allen Gegenden und eine unerschöpfliche Fülle von
Glückwünschen in Poesie und Prosa ergoß sich über das
prinzliche Haus.
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Am 5. März 1859 fand in der Kapelle des späteren
Kronprinzlichen Palais in Berlin die feierliche Taufe des erstgeborenen
Prinzen statt. Über dem Altar der Thronhimmel von Purpursamt, vor
dem Altar der historische Familientisch mit dem alten Taufgeschirr,
die Kanne mit Jordanwasser gefüllt. Der Täufling erhielt die
Namen: Friedrich Wilhelm Victor Albert. Die Taufhandlung leitete der
Oberhofprediger Dr. Strauß.
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Sommeraufenthalt im Neuen Palais bei Potsdam.
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Rennell Rodd gibt uns in seinem hübschen Buche "Friedrich III. als
Kronprinz und Kaiser" eine anmutige Schilderung von dem jährlichen
Sommeraufenthalt der Kronprinzlichen Familie im Neuen Palais bei
Potsdam. Die bisherigen Räume in Babelsberg erwiesen sich bald als
zu klein.
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Hier nun konnte die Kronprinzessin, wie sie bald nachher genannt
wurde, das Ideal eines nützlichen und glücklichen Landlebens
verwirklichen, dessen Wert sie in England schätzen gelernt hatte; es dauerte
auch nicht lange, so wurde der einfach häusliche Charakter dieses
Heims allbekannt und übte einen weitreichenden Einfluß aus. Unter
der pflegenden Hand der Kronprinzessin verwandelten sich die
altmodischen steifen Anlagen der ziemlich vernachlässigten Gärten und
wurden Muster geschmackvoller Anordnung. Nahebei besaßen sie das
Gut Bornstedt; hier beaufsichtigte der Prinz alles bis ins kleinste
Detail und gab selbst Anweisungen für die Feldarbeiten, während
die Milchwirtschaft und der Federviehhof der besonderen Oberaussicht
der Prinzessin anvertraut waren. Alle Einwohner der umliegenden
Dörfer lernten sehr bald die freundliche Fürsorge ihrer hohen
Nachbarn kennen und schätzen: die Herstellung gesunder Wohnungen, die
Verpflegung der alten und kranken Leute, die Schulen, die
Feiertagsspiele der Kinder - alles wurde liebevoll und eingehend überwacht.
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Prinz und Prinzessin Friedrich Wilhelm von Preussen
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Eine der hervorragendsten Eigenschaften des Prinzen war sein Herz
für das Volk, sein ungeheucheltes Interesse für das Leben der
ärmeren Klassen Es machte ihm besonderes Vergnügen, die
Dorfschule zu besuchen und dem Unterricht der Kinder zuzuhören;
manchmal nahm er wohl selbst die Stelle des Lehrers ein und stellte
Fragen an die Kinder (denen er die Erdkunde an einem großen
Gummiball beibrachte). Bei einer dieser Gelegenheiten muß er die
hübsche Antwort bekommen haben, die folgendermaßen berichtet
wird: "Zu welchem Reich gehört dies?" hatte der Prinz ein kleines
Mädchen gefragt und auf eine Medaille gewiesen, die er an der
Uhrkette trug. "Zum Steinreich" war die Antwort. "Und dies?" auf eine
Blume zeigend. "Zum Pflanzenreich". "Aber zu welchem Reich gehöre
ich seIbst?" fragte er weiter. "Zum Himmelreich!" war die Antwort des
Kindes. Fast jede Familie dort weiß von erwiesenen Wohltaten oder
liebevoller Teilnahme des Kronprinzenpaares zu erzählen.
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Mit Vorliebe wurde Jahrzehnte hindurch des Sonntags die kleine Kirche
in Bornstedt besucht
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Die Kirche in Bornstedt bei Potsdam
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Mobilmachung in Preußen.
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Das häusliche Glück der nächsten Zeit wurde leider durch
vorübergehende politische Wetterwolken gestört Der Ausbruch
eines französisch-österreichischen Krieges veranlaßte auch
Preußen, um für alle Fälle vorbereitet zu sein, mobil zu
machen. Prinz Friedrich Wilhelm wurde in Folge davon mit dem Kommando
der ersten Garde-Infanterie-Division betraut. Napoleon machte aber in
Folge der festen Haltung Preußens bald Frieden mit Österreich
und die Mängel, die sich im preußischen Heere bei Gelegenheit
dieser Mobilisierung herausgestellt hatten, gaben Veranlassung zu
einer großartigen Neuorganisation. Als Lohn für die
tatkräftige Mitwirkung hiebei
wurde Prinz Friedrich Wilhelm am 1. Juli 1860 zum
General-Leutnant ernannt.
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Neubildung des preußischen Heeres.
Beschäftigung der Prinzessin Victoria.
Eifrige Korrespondenz mit ihrem Vater.
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Während Prinz Friedrich Wilhelm in eifrigster Tätigkeit mit der
Umgestaltung und Verbesserung des preußischen Heeres beschäftigt
war, schaltete und waltete seine hohe Gemahlin im häuslichen Kreise.
Neben der Pflege des Kindes fand die Prinzessin Victoria noch Zeit,
sich vielfach mit Kunst und wissenschaftlichen Bestrebungen aller Art
zu beschäftigen. Auch führte sie eine lebhafte Korrespondenz mit
ihren Lieben in der Heimat, ganz besonders mit ihrem Vater, dem
Prinzgemahl. Zwischen beiden bestand ein wahrhaft ideales
Verhältnis. Alle kleinen Vorgänge des täglichen Lebens,
humorvolle Beobachtungen aus dem Familienleben, auch Vorgänge auf
dem Gebiete der Kunst, wurden in den "Wochenbriefen" besprochen. Zur
Charakteristik dieser innigen Beziehungen zwischen Vater und Tochter
wollen wir folgenden Brief des Prinzen Albert an die Prinzessin
Victoria hier mitteilen; er datiert vom 13. April 1859:
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"Daß du große Freude am Modellieren findest, überrascht
mich nicht. Als Kunst ist es sogar anziehender als Malen, weil
darin der Gedanke greifbar verkörpert ist. Es entspringt auch ein
höherer Wert und ein höheres Interesse aus der Tatsache, daß wir
darin mit drei Dimensionen zu tun haben, statt bloß mit der
Oberfläche, und nicht unsere Zuflucht zu der Illusion der
Perspektive zu nehmen brauchen.
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Da der Künstler Material und Gedanken kombiniert ohne Hülfe
irgend eines anderen Mitteldinges, so würde seine Schöpfung
vollkommen sein, wenn nun auch noch Leben in sein Werk hineingeatmet
werden könnte; und ich verstehe vollkommen und fühle mit dem
Bildhauer in der Fabel, der die Götter anflehte, sein Werk von der
Staffelei herabsteigen zu lassen. Wir haben eine Kunst, in welcher
auch dieses dritte Element der Schöpfung - inwendige Kraft und
Wachstum - gegenwärtig ist, und welche aus diesem Grunde
außerordentliche Anziehung für mich in den letzten Jahren
erlangt hat, in der Tat, ich kann sagen von der frühesten Kindheit
an, nämlich die Gartenkunst. Usw.'
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Mittlerweile hatte sich die junge, glückliche Mutter wieder
völlig erholt. So daß sie den Geburtstag ihrer Mutter, der
Königin, am 24. Mai 1860 in Osborne mitfeiern konnte. Eine weitere
Stärkung ihrer Gesundheit brachte ihr dann im Sommer ein Aufenthalt
in den Bergen Tirols.
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Zweite Reise des Prinzl. Paares nach England Herbst 1860.
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Zu ihrer größten Freude machte ihr hoher Gemahl eine zweite
Reise in ihre Heimat, welche im Herbst desselben Jahres stattfand.
Ihr Besuch tat ihrem Vater, der erst kürzlich von einem
Krankheitsanfall betroffen war, unendlich wohl. Er konnte sich bei
dieser Gelegenheit So recht von dem ehelichen Glück seiner Tochter
überzeugen und er war auch hocherfreut, sein Lieblingskind so wohl
und geistig überaus angeregt wiederzusehen.
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Geburt der Prinzessin Charlotte am 24. Juli 1860.
Besuch der Königin von England und des Prinzgemahls in Coburg
September 1860.
Beschreibung des Prinzen Wilhelm (jetzigen Kaiser Wilhelm II.) als
Kind.
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Am 24. Juli desselben Jahres wurde der Prinzessin Victoria das zweite
Kind, die Prinzessin Charlotte, geboren. Die Großeltern, Königin
Victoria und der Prinzgemahl, von Sehnsucht getrieben, ihre Tochter
und Enkelkinder zu sehen, fuhren am 22. September nach Deutschland
herüber. Sie trafen mit der Prinzessin Victoria und dem Prinzen
Friedrich Wilhelm in Coburg zusammen. Der Besuch war so privatim und
ruhig als möglich wegen der vorangegangenen Todesfälle in der
herzoglichen Familie. Das Wiedersehen war so herzlich, wie vor 3
Jahren auf der Wildparkstation: "Wir blieben kurze Zeit beisammen und
dann wurde unser herziges Enkelkind gebracht; so ein kleines Lieb! Es
spazierte an der Hand seiner Amme herein in einem kleinen weißen
Kleid mit schwarzer Schleife, und war so gut. Es ist ein schönes,
kräftiges Kind mit weißer, sanfter Haut, wohlgebildeten
Schultern und Gliedern, und einem sehr lieben Gesicht; Ähnlichkeit
hat es mit Vicky und Fritz und auch mit Luise von Baden; es hat
Fritzens Augen und Vickys Mund und sehr blondes, lockiges Haar. Wir
fühlten uns so glücklich, ihn zu sehen.'"
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Mit schwerem Herzen verließ die Königin Coburg, wo sie so
glücklich war.
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Tod König Friedrich Wilhelm IV. 2. Januar 1861.
Krönung Wilhelm I. in Königsberg 18. Oktober 1861.
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Das neue Jahr brachte große folgenschwere Ereignisse. König
Friedrich Wilhelm IV. hatte am 2. Januar für immer die Augen
geschlossen und Prinzregent Wilhelm (der bisherige Prinz von
Preußen) bestieg als König Wilhelm I. den Thron. Eine seiner
ersten Regierungshandlungen war, den Kronprinzen Friedrich Wilhelm zum
Statthalter von Pommern zu ernennen. Am 18. Oktober, dem Geburtstage
des Kronprinzen, fand die feierliche Krönung des Königs und der
Königin in Königsberg statt, welche uns Adolf Menzel in einem
berühmten Gemälde vor Augen geführt hat. Es war eine
glanzvolle Zeit, Festlichkeiten reihten sich an Festlichkeiten. Dann
kam für die Kronprinzliche Familie eine schöne Zeit
häuslichen Glückes, welche bis Weihnachten ungetrübt
andauerte.
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Tod des Prinzen Albert, Vater der Prinzessin Victoria 14. Dezember
1861.
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Da auf einmal brach ein Schweres Verhängnis über die
Kronprinzessin herein, der Tod ihres heißgeliebten Vaters, dessen
Lieblingskind sie war. Wie schon bemerkt, hatte sie mit ihm seit ihrer
Trennung vom Elternhause in ununterbrochenem brieflichen Verkehr
gestanden und sie hatten sich alle ihre Gedanken, Eindrücke und
Erlebnisse gegenseitig mitgeteilt. Es war ein harmonisches, ideales
Verhältnis zwischen Vater und Tochter, das nun in so jäher Weise
zerstört wurde.
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Tod ihrer Großmutter, der Herzogin von Kent. März 1861.
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Mitte März war schon der Tod ihrer Großmutter, der Herzogin von
Kent, vorangegangen, zu deren Beisetzung die Kronprinzessin Victoria
nach England gekommen war. Das Wiedersehen mit den geliebten Eltern
hätte wohl einige glückliche Momente seIbst in diese Trauerzeit
gebracht, wenn nicht viele Anzeichen Befürchtungen für die
Gesundheit des teuren Vaters verursacht hätten.
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Besuch der Kronprinzessin Victoria in London. August 1861.
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Nachdem der Monat Juni dem Prinzgemahl besonders schwere
Regierungslasten gebracht hatte, fühlte er sich außerordentlich
abgespannt und leidend. Jetzt hatte die Kronprinzessin keine Ruhe
mehr. Sie eilte mit ihrem Gemahl und den Kindern nach London, wo sie
mit den teuren Eltern noch glückliche Tage verlebte.
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Der Kronprinz hatte plötzlich wegen eines Attentates auf seinen
Königlichen Vater nach Baden-Baden abreisen müssen, während
seine Gemahlin mit den Kindern bis zum 6. August im Buckingham-Palast
zu London verblieb.
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Gleich nach ihrem Geburtstag, am 21. November, ging es mit der
Gesundheit des Prinzen Albert Schnell abwärts. Am 14. Dezember 1861
starb der herrliche Mann, unendlich betrauert von der Königin,
seinen Kindern und dem ganzen englischen Volk. Der Kronprinz fuhr
sofort nach England, um seinem geliebten Schwiegervater die letzte
Ehre zu erweisen.
Im Frühling des Jahres 1862 fand die zweite große
WeltaussteIIung in London statt und der Kronprinz wohnte als
preußischer Kommissar deren Eröffnung bei.
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Besuch der Königin-Witwe Victoria in Coburg. Frühjahr 1862.
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Die Königin Victoria von England kam im Frühjahr nach
Deutschland herüber, um die Geburts- und Lieblingsstätte ihres
unvergeßlichen Gemahls bei Coburg zu besuchen. Dort sahen sich
Mutter und Tochter zum ersten Male nach dem furchtbaren Ereignis
wieder.
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Wer sich vergegenwärtigt, was Prinz Albert Beiden im Leben gewesen
war, wird den ungeheuren Schmerz ermessen können, der an ihren
Herzen nagte.
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Geburt des Prinzen Heinrich. 14. August 1862
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Die Geburt des Prinzen Heinrich am 14. August 1862 brachte wieder
Sonnenschein in das Kronprinzliche Palais.
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Aber auch in der regen Betätigung auf den vielen Gebieten der
Volkswohlfahrt neben ihren häuslichen Pflichten und der Erziehung
ihrer Kinder fand die Kronprinzessin Trost und Ablenkung.
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Das Kronprinzliche Paar hatte sehr bald erkannt, daß Gesundheit und
Bildung, sowohl körperliche, als geistige, die Grundlagen aller
Volkswohlfahrt seien und so nahmen Beide den denkbar größten
Anteil an allen Bestrebungen auf diesem Gebiete. Alles, was dem Wohle
des Volkes dienen konnte, wurde von ihnen in das Leben gerufen oder
gefördert; doch dies soll in einem besonderen Kapitel
ausführlich behandelt werden.
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Große Reise des Kronprinzl. Paares nach der Schweiz
Südfrankreich. Sizilien, Malta, Tunis, Italien etc. Herbst 1862.
Die Kronprinzessin in Lebensgefahr.
Rückkehr zu Weihnachten 1862.
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Der Herbst brachte wieder glückliche Tage. Zur Erholung und
Anregung wurde eine große Reise unternommen, welche bis in den
Winter hinein dauerte. Die Schweiz, Südfrankreich, Sizilien, Tunis
und Malta wurden besucht, auf der Heimfahrt dann noch Italien und
Österreich. Eine Fülle neuer, herrlicher Eindrücke nahm die
Kronprinzessin hierbei in sich auf, eine ungeahnte Welt von
Schönheit erschloß sich ihr. In Sizilien und Tunis besonders
schwelgte ihr Künstlerauge in den malerischen Reizen der
Südlichen Natur. Vielfach war es auch die Größe und die
Bedeutung ehrwürdiger, geschichtlicher Erinnerungen, welche sie auf
das höchste begeisterte, wie die Ruinen von Karthago und die
sarazenischen Baureste Siziliens. In Malta, auf englischem Boden,
erlebte sie ebenfalls erhebende Momente. Die Kaiserin Friedrich
erinnerte sich in späteren Jahren noch voller Begeisterung dieser
zuweilen recht abenteuerlichen Reise und sie erzählte mir bei einer
solchen Gelegenheit noch folgendes: "Auf der Fahrt von Tunis nach
Sizilien hatten wir Sturm und ich wäre dabei um ein Haar um das
Leben gekommen. Ein Rad unseres Schiffes wurde von den Wogen
herausgehoben. Mit Mühe gelang es dann dem begleitenden englischen
Kriegsschiff, uns ins Schlepptau zu nehmen". Mit der Besichtigung von
Neapel und Pompeji wurde
eine durch Briganten gefährdete Besteigung des Vesuv verbunden. In
Neapel wurde dann noch an Bord der "Osborne" die
Mündigkeitserklärung des Prinzen von Wales gefeiert. Dann ging
es weiter nach dem ewigen Rom, nach Florenz und Mailand, Zum Schluß
fuhren sie über Venedig und Wien heimwärts. Zum Weihnachtsfest
war die ganze Kronprinzliche Familie wieder im Palais vereinigt;
das war zu einem festen Familiengebrauch geworden, von dem nur
in den seltensten Fällen abgewichen wurde.
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Das Kronprinzen-Palais in Berlin.
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Schiffstaufe der Corvette "Vineta". Frühjahr 1863.
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Die ersten Monate des Jahres 1863 verliefen ruhig und waren dem
häuslichen Glück und den vielen Verpflichtungen und Bestrebungen
gewidmet, welchen die Kronprinzlichen Herrschaften in so reichem
Maße oblagen. Eine kurze Unterbrechung entstand durch die Taufe der
Corvette "Vineta", welche die Kronprinzessin in feierlicher Weise in
Stettin zu vollziehen hatte.
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