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Das Kronprinzenpaar liebte die Wissenschaften und war begeistert
für die Kunst.
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I.K.H. die Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen.
Gemalt von der Kaiserin Friedrich.
Im Besitz I.K.H. der Erbprinzessin von Meiningen.
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Nachdem der Kronprinz im Juli 1871 das Protektorat über die
Königlichen Museen in Berlin von seinem Kaiserlichen Vater
übertragen erhalten hatte, war er im Bunde mit seiner Hohen
Gemahlin unermüdlich und mit wahrer Begeisterung beflissen, die
Sammlungen beständig zu erweitern und sie auf eine bedeutende
Höhe zu bringen. Und wenn auch die älteren Galerien von
Dresden, München, Wien u. a. z.B. auf eine größere Zahl von
Gemälden erstklassiger Meister hinweisen können, so ist doch die
Berliner Gemälde-Sammlung, was Vollständigkeit der Schulen und
Meister anbetrifft, einzig dastehend geworden, besonders auch für
die Geschichte der Malerei. Ein großer Teil des Verdienstes hieran
gebührt dem tatkräftigen Eintreten des Kronprinzenpaares für
den Ankauf wichtiger Kunstwerke. Mit welcher Hin gebung förderten
Beide z. B. die Ausgrabungen der Deutschen in Olympia, der
berühmtesten Tempelstadt des klassischen Altertums, vom ersten
Spatenstich im Oktober 1875 an, und wie halfen Beide, als es galt,
alle Schwierigkeiten zu überwinden, um die vom Ingenieur Carl
Humann beim Wegebau von Smyrna nach Pergamon gefundenen herrlichen
Skulpturen für das Deutsche Reich zu gewinnen! Wenn irgend die
Erwerbung eines bedeutenden Kunstwerkes oder einer Sammlung bevorstand
und diese wegen eines zu hohen Preises fraglich wurde, so schuf in den
meisten Fällen das Kronprinzenpaar Rat. Durch seine Fürsprache
wurde auch der Ankauf der berühmten Hamilton'schen Handschriften-
und Miniaturen-Sammlung durchgesetzt.
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Gründung des Kunstgewerbe Museums in Berlin.
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Das jetzt auf so hoher Stufe stehende Kunstgewerbe-Museum ist durchaus
eine Schöpfung des Kronprinzlichen Paares. Die Kronprinzessin war
es besonders, welche, angeregt durch das großartige
South-Kensington-Museum in London, beabsichtigte, in Berlin ein
Tochter-Institut desselben zu begründen. Den Grundstock zu der
ersten Sammlung, des späteren Königlichen Kunstgewerbe-Museums,
welches ursprünglich Gewerbe-Museum hieß, bildeten die von der
Königlichen Staatsregierung auf der Pariser Weltausstellung 1867
erworbenen neueren Arbeiten sowie Leihgaben vornehmlich aus dem Besitz
des damaligen Kronprinzlichen Paares. Mit unausgesetzt regstem
Interesse verfolgten die Hohen Herrschaften die Entwicklung des
Kunstgewerbe Museums und bewiesen ihre Mitarbeit nicht nur durch
fortdauernde Überweisungen aus allen Gebieten des Kunstgewerbes,
sondern auch durch häufigen Besuch dieses Museums
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Das Königliche Kunstgewerbe-Museum in Berlin.
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Im Jahre 1872 wurde auf Anregung des Kronprinzenpaares eine sehr
bedeutende Ausstellung älterer kunstgewerblicher Gegenstände im
Zeughause veranstaltet. Die dazu notwendigen Geldmittel wurden durch
Fürsprache des Kronprinzen beschafft, welcher auch das Protektorat
übernahm.
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Auch die Abtrennung der sog. Königlichen Kunstkammer von dem
Bestande der Königlichen Museen und die Überführung derselben
nach dem Kunstgewerbe-Museum war das Werk der Hohen Protektoren.
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Ebenso bewies das Kronprinzliche Paar auch der angegliederten
Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbe-Museums seine stete Gunst Prinz
Wilhelm und Prinz Heinrich, die beiden ältesten Söhne, hatten
vom Oktober 1873 bis zum Juni 1874 jeden Mittwoch und Sonnabend dort
Zeichenstunde, an der auch der Verfasser dieses Buches teilnehmen
durfte. Diese Unterrichtsstunden wurden oft durch den Besuch der
Kronprinzlichen Eltern beehrt, welche sich lebhaft für die
Fortschritte der Söhne interessierten.
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Als sich die Räume des alten Gewerbe-Museums in der ehemaligen
Porzellan-Manufaktur für die reichen Schätze des Museums als
viel zu klein erwiesen, entstand unter den Auspizien des
Kronprinzenpaares ein neuer Prachtbau in der Prinz Albrechtstraße
nach Entwürfen des Architekten Gropius.
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Einweihung des neuen Kunstgewerbe-Museums. 21. November 1881.
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Der große Lichthof darin war nach dem Vorbilde im
South-Kensington-Museum geschaffen worden. Der Verfasser dieses Buches
war früher ältester Direktorialassistent des Geheimrats Julius
Lessing am Königlichen Kunstgewerbe-Museum gewesen und war
daher Zeuge des großen Interesses, welches das Kronprinzliche Paar
an dessen Entwicklung von den ersten Anfängen an bis zur höchsten
Blüte bekundete. Als dann die glänzende und vorbildliche
Aufstellung der herrlichen Sammlungen im neuen Prachtbau beendet war,
fand am Geburtstag der Kronprinzessin, am 21. November 1881, die
feierliche Einweihung des Kunstgewerbe-Museums in Gegenwart des
Kronprinzenpaares, der hohen Staatsbehörden, und der Vertreter der
bedeutendsten Museen der großen Kulturstaaten statt. Der Kronprinz
hielt bei dieser Festversammlung eine Ansprache, in der die große
Bedeutung des Tages hervorgehoben wurde. Er sagte im Verlauf seiner
Rede: "Es ist uns Beiden eine hohe Freude, heute hier zu sehen, zu
welchem Segen gereift ist, was die Kronprinzessin im Sinne ihres Hohen
Vaters anstrebte". Abends waren alle offiziellen Teilnehmer an der
Einweihung dieses Museums Gäste im Kronprinzenpalais, wo zu Ehren
des Tages ein Fest veranstaltet wurde.
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Die Königin von England hatte, einem Wunsche ihrer Tochter, der
Kronprinzessin, folgend, bei dieser Gelegenheit eine ganz besondere
Ehrung zur Ausführung gebracht. Aus den reichen Schätzen der
indischen Abteilung des South Kensington-Museums war eine große
Anzahl der kostbarsten und herrlichsten Stücke ausgewählt und
auf Kosten der englischen Regierung in eigenen Transportwagen und
eigenen Ausstellungsschränken, mit eigenen Beamten,
Polizeiinspektoren und Detektivs nach Berlin überführt und dort
im Lichthofe des Kunstgewerbe-Museums unter der Leitung von Sir
Whitworth Wallis (jetzt Direktor der Kunst-Galerien in Birmingham)
aufgestellt worden.
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Lichhof des Königl. Kunstgewerbe-Museums in Berlin. Ausstellung indischer Kunstschätze
aus dem Besitz der Indischen Abteilung des South Kensington-Museum in London, 1881.
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Aus alledem geht hervor, welche Wichtigkeit und welche Bedeutung das
Kronprinzenpaar seiner eigensten Schöpfung beilegte. Aber das
Interesse ließ nie nach. Unzählige Male, oft ganz unverhofft,
morgens vor der Eröffnung und nachmittags nach Schluß des
Museums, erschienen die Hohen Herrschaften dort und brachten meistens
fürstliche Gäste mit, deren Führung sie dann häufig selbst
übernahmen. Man sagte damals im Scherz, nicht ganz mit Unrecht, das
Kunstgewerbe-Museum sei das verlängerte Kronprinzliche Palais. Und
das Kronprinzenpaar kannte auch die entlegensten Arbeitsräume des
Museums. So erschien der Kronprinz noch im Jahre 1887, nach seiner
Heimkehr von Bad Ems, im Kunstgewerbe-Museum, als wollte er für
immer Abschied nehmen von den ihm so vertrauten Räumen. Ganz
unerwartet trat er in das niedere, in einem Zwischenstock gelegene
Direktorialzimmer ein und sprach, schon mit ganz heiserer Stimme,
seine Freude über einige dort befindliche Neuerwerbungen aus. Es
war das letzte Mal, daß ich diesen herrlichen, unvergeßlichen
Hohen Herrn sah und sprach.
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Aber auch die kunstgewerblichen Werkstätten in Berlin wurden vom
Kronprinzenpaar häufig besucht. Zur Hebung des Kunstgewerbes wurde
unter vielen anderen Maßnahmen auch jedes Jahr eine Weihnachtsmesse
im Architektenhaus unter dem Protektorat des Hohen Paares abgehalten.
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Bau der Nationalgalerie in Berlin.
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Eine andere großartige, der Kunst geweihte Schöpfung, welche
ihre Entstehung in erster Linie dem Kronprinzenpaare verdankt, ist die
Nationalgalerie. Es wurden für den Bau, der 1866 begann,
Entwürfe und Skizzen, welche König Friedrich Wilhelm IV. schon
früher angefertigt hatte, benutzt. Zehn Jahre dauerte der Bau unter
beständiger Anteilnahme und Förderung von Seiten des
Kronprinzenpaares. Mit der bereits vorhandenen Gemälde-Sammlung des
Konsuls Wagner wurden viele hier und da zerstreute moderne Gemälde
vereinigt. Besonderen Wert legte das Kronprinzenpaar bei diesem Bau
auf Räume für Sonderausstellungen, in denen der Werdegang
einzelner bedeutender Meister gezeigt werden sollte, was sich
später als außerordentlich anregend und nützlich erwies. Die
feierliche Einweihung des prächtigen Kunsttempels fand am
21. März 1876 statt.
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Freundschaftliche Beziehungen zu namhaften Künstlern.
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Zu einer ganzen Reihe von Künstlern stand das Kronprinzenpaar in
persönlichen und freundschaftlichen Beziehungen; so zu Anton von
Werner, Adolf von Menzel, Gustav Richter, Reinhold Begas, Heinrich von
Angeli, W. Gentz, Paul Meyerheim, August von Heyden, Carl Becker, Otto
Knille, Ernst Ewald, Lutteroth in Hamburg, Wilberg, Albert Hertel und
anderen
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Der Königliche Garten in Athen. Gemalt von der Kaiserin Friedrich.
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Hohenzollern-Museum.
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Das in vieler Hinsicht so interessante Hohenzollern-Museum indessen
war fast ganz die persönliche Domäne des Kronprinzen, seine
eigenste Schöpfung. Alles, was sich auf seine Ahnen bezog und in
erster Linie auf den Großen Kurfürsten, wanderte aus den vielen
Königlichen Schlössern in das Hohenzollern-Museum am
Monbijouplatz. An vielen Gegenständen findet man jetzt noch die
eigenhändigen Erläuterungen und Aufschriften des Kronprinzen
Friedrich Wilhelm.
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Pläne für den Dombau und eine Fürstengruft in Berlin.
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In den letzten Jahren seines Lebens beschäftigte er sich eifrig,
lebhaft unterstützt von seiner kunstsinnigen Gemahlin, mit dem
Neubau eines Domes in Berlin in Verbindung mit einer Fürstengruft.
Unausgesetzt wurde an diesem Plan gearbeitet unter Zurateziehung von
Raschdorff, der später die Ausführung des Baues übernahm.
Die Kronprinzessin bewies ihr Interesse durch viele eigene Ideen,
welche sie dazu gab. Noch kurz vor seinem Heimgang ließ der kranke
Kaiser, zu Pfingsten 1888, alle Pläne für den Dom nach
Charlottenburg bringen, um sie eingehend zu studieren.
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Wie das Kronprinzliche Paar über die soziale Bedeutung der
Kunst dachte, geht aus den Worten hervor, mit denen der Kronprinz
am 24. Juni 1886 die Jubiläumsausstellung in Berlin eröffnete,
indem er an die Künstler die Mahnung richtete: "darüber zu wachen,
daß unsere Kunst ihrer höchsten Bestimmung nicht untreu werde,
der Menschheit, hoch und niedrig, arm und reich, ein Quell jener
Erhebung und Beseligung zu werden, welche zur Gottheit
emporweist. Dann erst vermag sie den andern Beruf zu erfüllen, der
ihr gesetzt ist: trotz aller Mannigfaltigkeit ihrer Äußerungen
die Völker und Menschen zu einigen im Dienst des Idealen".
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