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Die Frau Kronprinzessin hatte sich in den letzten Jahren mit
besonderem Eifer künstlerischen Studien hingegeben und soviel es
ihre Zeit erlaubte nach der Natur gezeichnet und gemalt,
Kostümfiguren und Porträts von Damen aus dem Bekanntenkreise der
hohen Frau, auch meine Frau hatte die Ehre gehabt, ihr als
Porträtmodell zu dienen.
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Die Freude am künstlerischen Gestalten hatte bei den
kronprinzlichen Herrschaften den Gedanken angeregt, an ihrem Hofe ein
Kostümfest zu feiern, wie ein solches seit Jahrzehnten bei Hofe
nicht stattgefunden hatte. Eine Anzahl der dem kronprinzlichen Kreise
näher stehenden Künstler, u. a. Graf Harrach, Professor
E. Doepler d. ältere, E. Ewald, A. v. Heyden und meine Wenigkeit,
wurden berufen, unter Leitung des Hofmarschalls Grafen A. Eulenburg
und Mitwirkung des Grafen Seckendorff ein Programm zu entwerfen und
für die Ausführung desselben tätig zu sein. Das Fest fand am
8. Februar im kronprinzlichen Palais unter dem Titel "Der Hof der
Mediceer" statt und fiel sehr glänzend aus. Das Motiv des Festes
war eine Huldigung der Künste. Die eingeladenen Künstler, zu
denen C. Becker, L. Knaus, Menzel, P. Meyerheim, Oskar Vegas,
W. Gentz, O. Knille und andere außer den schon oben genannten
gehörten, huldigten mit einem lateinischen Gedichte, das Ernst
Ewald vorzüglich sprach. Eine Sängerschar, unter der sich
u. a. Moltkes Neffe Hauptmann von Burt und der russische
Gesandtschaftsattache von Benckendorff befanden, trug altitalienische
Gefänge vor. Schließlich wurden vier aus der Hofgesellschaft
zusammengestellte Quadrillen getanzt, für welche die an dem Feste
beteiligten Künstler die Kostüme gezeichnet und ihre
Ausführung überwacht hatten; ich übernahm die altslawische,
die Gelegenheit für besonders glänzende Kostüme bot. Ganz
außerordentlich tätig für die Herstellung historisch
möglichst echter Kostüme waren außer Graf Harrach Professor
Emil Doepler und A. v. Heyden gewesen, deren umfassende Kenntnisse in
der Kostümkunde ja rühmlichst bekannt waren.
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Die Frau Kronprinzessin erschien in der Tracht der Bella di Tiziano,
der Kronprinz trug ein Kostüm ganz in dunkelrot, das dem bekannten
Porträt Heinrich VIII. von H. Holbein nachgebildet war und dem
blondbärtigen, kraftvollen Herrn vorzüglich kleidete. Ganz
besonders schöne Erscheinungen waren die Damen Frau Paula
v. Winterfeld, Frau v. Kurowski und Fräulein Margarethe v. Faber du
Faur, die im Gefolge eines orientalischen Fürsten einherschritten
und allgemeine Bewunderung hervorriefen. Kaiser Wilhelm, sein Bruder
Prinz Karl und andere ältere Herren waren in Domino und Eskarpins
erschienen, der Kaiser war in vergnügtester Stimmung und
unermüdlich, und befahl eine Wiederholung des Festes in der
nächsten Zeit im Königlichen Schlosse. Den an dem Huldigungszuge
beteiligten Künstlern waren, als sie nach beendetem Vortrage des
Huldigungsgedichtes an dem fürstlichen Paare vorüberzogen, das
inmitten seines Hofstaates auf einer erhöhten Estrade Platz
genommen hatte, von der Frau Kronprinzessin kleine, zierliche
Schriftrollen überreicht worden, die auf Seide gedruckt Distichen
enthielten, die sich auf die Eigenart des betreffenden Künstlers
bezogen; der Hofmarschall von Normann hatte bei ihrer Abfassung wohl
dichterisch mitgewirkt.
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Das Mediceer-Hoffest war zweifellos ein Ausdruck des lebhaften
Interesses, das die kronprinzlichen Herrschaften für die Berliner
Künstlerschaft hegten, und das sie auch bekundeten, indem sie auf
einem gegen Ende der Saison vom Verein Berliner Künstler
veranstalteten Kostümball erschienen, der zwar wegen der
Überfülle der gebotenen dramatischen Genüsse nicht recht
glückte, die Künstlerschaft aber schwärmte für das
Kronprinzenpaar.
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